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Bolivien: Wirtschaft

Trotz seines Reichtums an natürlichen Ressourcen ist Bolivien das am wenigsten entwickelte Land in Lateinamerika. Das Bruttosozialprodukt betrug 1995 U.S. $800 je Einwohner.
Das mineralreiche Land Bolivien (besonders Zinn-, Gold-, Blei-, Zink-, Kupfer-, Wolfram-, Antimon-, und Silbererz) hatte seit jeher Probleme mit der Wirtschaft. Bereits während der Zeit der Spanier floss das gesamte Geld aus dem Silberabbau in Potosi nach Europa; wo es dazu diente, den aufwendigen Lebensstil der Aristokratie zu finanzieren.
Der zwischenzeitliche Zinn-Boom verhalf nur einigen wenigen Zinn-Baronen zu Ansehen und Reichtum; die breite Masse ging dabei leer aus. Als einflussreichster Zinn-Baron wäre Simon I. Patino zu nennen, der bis 1952 das Land wirtschaftlich und politisch kontrollierte und einer der reichsten Männer des Landes war. Heute noch kann man einen Eindruck davon erhalten, wenn man das Museum in Cochabamba besichtigt.
 


Galerie

Bolivianischer Markt in Cochabamba
Typisch bolivianischer Markt in Cochabamba.




 
Als weitere Rohstoffe seien Erdöl und Erdgas genannt, die im Grenzgebiet zu Paraguay entdeckt wurden. Nachdem in den 80iger Jahren die Erdgasförderung stark anstieg, entwickelte sich ein starker Export in das Nachbarland Argentinien. Weitere Exporte sind nach Chile und Brasilien geplant.

In den wichtigsten landwirtschaftlichen Gebieten um den Titicacasee und in den Talbecken des ostbolivianischen Hochlandes werden neben Mais, Bohnen, Obst und Kartoffeln auch Kaffee und Bananen angebaut. Zudem wird ein grosser Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche für den illegalen Anbau von Kokasträuchern genutzt. Offizielle Vernichtungskampagnen sowie staatliche Hilfen für den Ersatz des Kokaanbaus durch andere Produkte waren wenig erfolgreich. Im Tiefland werden hauptsächlich Zuckerrohr, Reis, Kaffee, Mais, Soja, Baumwolle und andere Faserpflanzen für den Export angebaut. In diesem Sektor arbeiten 41 % der Bevölkerung, erwirtschaften jedoch nur 16 % des Bruttoinlandproduktes.
Im Hochland werden Schafe, Rinder, Schweine, Lamas und Alpakas gehalten. Dadurch deckt die Bevölkerung ihren Grundbedarf an Milch, Fleisch und Wolle. Die Wolle der Vicunas ist sehr wertvoll; der Erlös des Verkaufes hilft den Bewohnern entlegener Bergdörfer, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Im Tiefland wird in jüngerer Zeit zudem noch grossbetriebliche Rinderhaltung betrieben.
Neben Erdölraffinerien gibt es Nahrungsmittel-, Textil-, Holz-, Papier-, und chem. Industrie. Wichtige Industriestandorte sind neben La Paz auch Oruro und Cochabamba.
Die Erzlagerstätten sind über das Eisenbahnnetz mit Chile und Argentinien verbunden. Die Ausstreckung dieses Netzes beträgt 3700 km. Zum Vergleich: Deutschland hat ein Eisenbahnnetz von 43687 km. Das insgesamt spärliche Strassennetz von 41000 km ist nur zu ca. 4 % geteert. Im Osten des Landes sind daher grosse Teile nur durch die Luft zu erreichen. Internationale Flughäfen sind El Alto (La Paz) und Viru-Viru (Santa Cruz)